EMDR in Sexualtherapie und Psychotherapie in Hamburg

Viele haben bisher schon davon gehört und sind neugierig. Andere haben bereits positive Erfahrungen mit EMDR gemacht (im Coachingprozess auch Wingwave genannt) und wünschen sich ganz explizit ein Arbeiten mit dieser Methode. Das Tolle ist, dass EMDR zwar ursprünglich zur Behandlung von Traumafolgestörungen entwickelt wurde, sich diese Methode seit ihrer Einführung jedoch zusätzlich in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen als erfolgreich erwiesen hat, wie der Posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen, Suchterkrankungen, chronischen Schmerzen oder Ängsten.


Auch ich setze diese Technik mittlerweile bei einer Reihe von psychischen und emotionalen Herausforderungen ein. Auf dieser Seite möchte ich Ihnen genauer beschreiben, wie EMDR angewendet wird und warum es insbesonders auch bei den Themen in meiner Praxis eine effektive Methode ist.

Was genau ist EMDR?

Zuallererst die Frage: Was ist EMDR eigentlich? Die Abkürzung EMDR steht für "Eye Movement Desensitization and Reprocessing" (Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung durch Augenbewegungen) und ist eine therapeutische Methode, die im Gegensatz zu vielen anderen psychotherapeutischen Verfahren keine ausführliche und detaillierte Aufarbeitung der jeweiligen Thematik erfordert, sondern durch schnelle Augenbewegungen oder andere rhythmische Stimulationen des Körpers eine Verarbeitung auf unbewusster Ebene ermöglicht.

EMDR wurde in den späten 1980er Jahren von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entdeckt. Die Entdeckung erfolgte eher durch Zufall während eines Spaziergangs im Park, als Shapiro bemerkte, dass ihre eigenen belastenden Gedanken und Gefühle abnahmen, während ihre Augen sich schnell von einer Seite zur anderen bewegten, während sie die Natur betrachtete. Dieses Phänomen führte sie zu der Hypothese, dass gezielte Augenbewegungen eine Rolle bei der Verarbeitung traumatischer Erinnerungen spielen könnten und basiert auf der Idee, dass traumatische Erinnerungen nicht richtig verarbeitet wurden und im Gehirn "feststecken".


Durch gezielte Augenbewegungen oder andere Formen von bilateraler Stimulation über Akustik oder Berührungen soll die Verarbeitung dieser Erinnerungen angeregt und damit eine Reduktion der emotionalen Belastung und der Symptome erreicht werden. EMDR hat in den letzten Jahren an Bekanntheit und Popularität gewonnen und wird heute von vielen Therapeut*innen weltweit eingesetzt.

Was kann EMDR bewirken?

Wir können erlebte Erfahrungen nicht ungeschehen machen. Aber wir können unsere Bewertung im Hier und Jetzt verändern. Vielleicht war man in einer Situation damals ausgeliefert oder hat sich in einer gerade erst geschehenen Situation machtlos gefühlt. Vielleicht kommen die starken Gefühle von heute aus vergangenen Erlebnissen und werden durch besondere Umstände plötzlich wieder aktiviert (getriggert).

Es ist immer wieder spannend, was in jeder einzelnen EMDR-Sitzung während der Augenbewegungen passiert. Mal wird eine Erinnerung unscharf oder das Bild davon verschwindet ganz. Dann wieder wird aus der Ohnmacht plötzlich ein Gefühl von Handlungsfähigkeit und jemand ruft aus "Na, wenn das nochmal passiert, dann aber...!" Oder man betrachtet die Situation plötzlich ganz gelassen. Oder man sieht sich wie in einem Film selber eine Handlung ausführen und denkt "Oh man, was mache ich denn da? Nee, das geht ja gar nicht." Und hört damit auch tatsächlich auf. 


Trotzdem ist eines wichtig: Auch wenn die Methode keine detaillierte Aufarbeitung benötigt, gehen wir sehr vorsichtig an die Themen heran. Denn entweder arbeiten wir ohnehin an einem Trauma oder es kommen hinter scheinbar harmlosen Situationen verdrängte Gefühle hervor.

Wie sieht so eine Stunde konkret aus?

Man kann mit EMDR sehr unterschiedlich arbeiten. Um Ihnen eine Idee zu geben, wie das aussehen kann, beschreibe ich hier eine Möglichkeit, die ich sehr viel nutze. Dabei möchte ich noch erwähnen, dass es sein kann, dass Sie schon mit einem konkreten Anliegen für eine EMDR-Sitzung zu mir kommen. Viel häufiger jedoch kristallisiert sich erst im Verlauf des Therapieprozess heraus, an welchen Stellen wir mit EMDR arbeiten können. 


Wir nehmen eine für Sie unangehme bis traumatische Situation. Wichtig ist, dass man wirklich bei dieser einen Situation bleibt und nicht hin- und herspringt. Wir arbeiten den schlimmsten Moment heraus und schauen uns die damit verbundenen Gefühle, körperlichen Empfindungen und Gedanken ganz genau an. 


Dann arbeiten wir mit der sogenannten bilateralen Stimulation. Das bedeutet, dass ich leicht versetzt vor Ihnen sitze und Sie entweder mit den Augen meinen Fingern von links nach rechts folgen oder ich abwechselnd rechts und links neben Ihren Ohren schnippse. Währenddessen konzentrieren Sie sich vor Ihrem inneren Auge auf die unangenehme Erfahrung, um die es geht. Und das machen wir mehrmals hintereinander. Zwischendurch frage ich immer wieder ganz genau nach, was Sie dabei fühlen und denken. Das hört sich ganz leicht an, ist aber gar nicht so einfach!

Der sichere innere Ort

Eingebettet ist diese Technik in das Erlebnis des sicheren inneren Ortes. Das ist ein mentaler Ort, den eine Person während der Therapie erschafft, um sich sicher, geschützt und beruhigt zu fühlen. Diese Trance bringt Sie also an einen Ort, an dem Sie sich so richtig wohl und sicher fühlen. Das besprechen wir vorher gemeinsam, damit ich Sie gut dorthin begleiten kann. Es kann ein Ort aus Ihrer Kindheit sein, ein Urlaubsort oder auch ein fiktiver Ort.


Während Sie die Augen schließen, leite ich Sie mit meiner Stimme ganz behutsam an diesen Ort. Mit allen Sinnen nehmen Sie diesen Ort wahr. Dies kann dazu beitragen, Angst und Stress zu reduzieren sowie positive Gefühle der Sicherheit und Geborgenheit zu verstärken. Das Gehirn fährt auf diese Weise runter und Sie kommen in einen entspannten Zustand. Sie selber unterstützen den Prozess mit einen abwechselnden Klopfen mit verschränkten Händen auf die Schlüsselbeine (Butterfly) oder auf den Oberschenkeln. 

Ich mag diese Erklärung für die Wirkweise von EMDR: Wir aktivieren im Gehirn erst ein Wohlfühlnetzwerk, während wir anschließend das Netzwerk "schlimmster Moment" aktivieren. Durch die bilaterale Stimulation verbinden sich die beiden Netzwerke und das Netzwerk "schlimmster Moment" verliert an Wirkung. Das ist der vorletzte Schritt in diesem Prozess. Ganz am Ende gehen wir dann noch einmal an den Wohlfühlort.

Anwendungsgebiete von EMDR in der Sexualtherapie

Ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass ein sexuelles Erlebnis nicht so gut gelaufen ist, wie Sie es sich gewünscht hätten? Vermutlich ja, sonst würden Sie sich jetzt nicht auf dieser Seite umschauen. Oft hinterlassen diese Erlebnisse die Angst, es könnte noch einmal passieren und verursachen Stress. Oder andere Ängste sorgen dafür, dass Stress entsteht und der Körper dann nicht so reagiert, wie man es sich wünscht. Häufiger haben diese Ängste gar nichts mit Sexualität an sich zu tun, sondern sie entstehen aus generellem Leistungdruck, dem Versuch, die Kontrolle jederzeit behalten zu wollen oder aus dem Gefühl heraus, nicht zu genügen. 


Um die Anwendung ein wenig zu verdeutlichen, liste ich im folgenden einige Situationen bzw. Themen auf, an denen ich mit meinen Klient*innen mit EMDR erfolgreich gearbeitet habe:

  • Situationen im Zusammenhang mit Selbstberührungen in der Kindheit, Jugend oder Erwachsenenalter (oft starke Scham- und Schuldgefühle)
  • Situationen mit sexueller, psychischer oder körperlicher Gewalt in Kindheit, Jugend oder Erwachsenenalter
  • Als unangenehm erlebte erste Erfahrungen mit Sexualität
  • Als übergriffig erlebte gynäkologische Untersuchungen
  • Verlust der Erektion im Moment des Eindringens
  • Verlust der Erektion im Moment des Kondomüberstreifens
  • Belastende Ereignisse, die zur Sucht beigetragen haben könnten
  • Der Moment, in dem zum Suchtmittel gegriffen wird (Porno, Sex, Drogen)
  • Ekelgefühle im Zusammenhang mit körperlicher Nähe
  • Der Schmerz im Moment des Eindringens in die Vagina
  • Situationen mit Angst vor Ablehnung, fehlender Wertschätzung  
  • Situationen, die mit starken Gefühlen wie Einsamkeit, Ohnmacht, Angst oder Wut verbunden sind
  • Traumatische oder belastende Erfahrungen, die zu chronischen Schmerzen geführt haben können