Über mich

​„Wie kommt man denn dazu, sich beruflich mit dem Thema Sexualität zu beschäftigen?" Wie oft bin ich das schon gefragt worden. Sex sei doch etwas Privates und was gäbe es darüber schon so viel zu sagen? Jede Menge! Kaum ein anderes Thema ist so interdisziplinär und vielseitig wie Sexualität. Sie durchzieht unser ganzes Leben, ganz gleich, ob wir in unserer aktuellen Lebenssituation gerade Sex haben oder nicht.

​​Fragen, die mir gestellt werden, beginnen sehr häufig mit "Ist es normal, dass ich....." ​Eine Formulierung, die ​es verdient, immer ernst genommen zu werden! Denn solange wir glauben, nicht richtig zu sein, in dem was wir machen oder uns wünschen, können wir das auch nicht wirklich akzeptieren und unser volles erotisches Potential ausschöpfen.

​​Wie alles begann

"Wie bist du Sexologin geworden? Und wie kann ich das werden?" Das sind Fragen, die zeigen, wie viele Menschen sich für diese Themen interessieren! Mein Werdegang war allerdings alles andere als vorgezeichnet. Oder einfach. Heute gibt es Ausbildungen, Weiterbildungen und sogar einen Studiengang. Bei mir fing alles mit einem Pilotprojekt an.

​Während meines Studiums der Erziehungswissenschaften stolperte ich förmlich über das Modellprojekt "Sexualpädagogik an der Hochschule". Mich hat das Thema ​damals brennend privat interessiert und dann also auch beruflich. ​Drei Semester Vollzeit Sexualpädagogik, die ich mit der Zusatzqualifikation als Sexualpädagogin abschloss. Das war eine wirklich interessante und spannende Zeit, in der ich auch viel über mich selber gelernt habe. Als sich im Anschluss auch an anderen Fakultäten Möglichkeiten ergaben, habe ich mich begeistert ins tiefergehende Studium der Sexualwissenschaften gestürzt. Damals gab es im Gegensatz zu heute noch keinen speziellen Studiengang dafür. Und so habe ich mir als Erziehungswissenschaftlerin in den unterschiedlichen Fakultäten geholt, was ich wissen wollte. Und ich wollte viel wissen. ​Ich war bei den Juristen, den Soziologen, den Psychologen, den Historikern, den Germanisten, den Medizinern, den Pädagogen und den Biologen. Sexualität lässt sich nun einmal nicht auf ein Fach beschränken, dazu ist sie viel zu vielfältig.

In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit Sexualgeragogik beschäftigt und Methoden entwickelt, wie man mit den sexuellen Biographien ​heutiger Senioren arbeiten kann. Das sind die Generationen, die noch in der lustfeindlichen Kriegs- und Nachkriegszeit aufgewachsen sind. Nicht wenige von ihnen haben Sexualität als etwas wenig Lustbetontes, stattdessen mehr als Pflichterfüllung erlebt. ​Fehlende Informationen über alters- oder krankheitsbedingte Veränderungen führen auch später zu Verunsicherung und Vermeidung. Sexualität begleitet uns aber ein Leben lang. Und so lohnt es sich, auch im ​späten Alter das Schöne an der Liebe zu entdecken! Oder wiederzuentdecken.

Das hört sich alles wahnsinnig theoretisch an. Und das war es teilweise auch. ​Zum Glück hatte ich in meinem Leben außerdem auch noch ausreichend Zeit, jede Menge praktische Erfahrungen zu sammeln 🙂

 Im Jahr 2000 habe ich an der Universität Kiel meine Diplomprüfung bestanden. Und so bin ich Diplom-Pädagogin mit dem Schwerpunkt Sexualwissenschaften. Das war neu und mein ganz eigenes Ding.

Was danach kam und was ich heute mache

​​Viele Jahre habe ich Jugendliche und Erwachsene hinsichtlich ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung beraten. Auch hier spielten Partnerschaft und Sexualität ​häufig eine große Rolle.

​Als Sexualtherapeutin und systemischer Coach ​spreche ich persönlich mit Menschen über alles, was sie bewegt. Gemeinsam entwickeln wir immer wieder ganz neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten.

​Mittlerweile blicke ich auf einige Jahre der Zusammenarbeit mit großen Erotikversandhändlern zurück. Eine vielseitige Tätigkeit, bei der mein Schwerpunkt auf der Aufklärung liegt.

Das hier muss ich unbedingt extra erwähnen: Das Gefühl, in die Fußstapfen einer großen Aufklärerin zu treten, war für mich der ​ausschlaggebende Grund, für das Unternehmen Beate Uhse tätig zu werden. Den Traum hatte ich, seitdem ich während des Studiums aufgeschnappt hatte, dort wäre eine Soziologin eingestellt worden. Das wollte ich auch! Es hat allerdings ein paar Jahre gedauert, bis aus dem Traum Wirklichkeit wurde. Die Person Beate Uhse gehörte zu den ganz Großen: Nicht nur als Wirtschaftswunder in der deutschen Nachkriegsgeschichte sondern ​auch als Aufklärerin in einer männerdominierten erotikfeindlichen Gesellschaft. Und hier hat sie Großartiges geleistet. Ihr haben wir die Verbreitung der natürlichen Verhütungsmethode zu verdanken. Ein Wissen, das damals verschütt gegangen war. Und sie sprach offen über Sexualität, was lange Zeit für die allergrößten Anstöße sorgte. Es gab unzählige Anzeigen und Verfahren gegen sie. Trotzdem hat sie sich nie unterkriegen lassen. ​Was für Fußstapfen!

​​Zu meiner Zeit in ihrem Unternehmen war Beate Uhse leider schon verstorben. Ich hätte sie nur zu gern kennengelernt. Und so habe ich hoffentlich in ihrem Sinne für das Unternehmen ein Beratungsangebot aufgebaut, als Sex-Expertin für das Magazin ​aufklärende Beiträge ​geschrieben und bin durch das Land getourt, um den Menschen für ihre Fragen zur Verfügung zu stehen. ​Sehr spannend war auch das Schreiben von Drehbüchern für Sex-Educationals (Lehrfilme), um auf diesem Wege den Umgang mit Sexualität zu entspannen. Das Drehen der Filme war auf jedem Fall ein Highlight!

Regelmäßig kommen Journalisten und Journalistinnen mit ganz unterschiedlichen Themen auf mich zu: Paarsexualität, Sextoys, Sexroboter, Sex der Zukunft, Sex in den Wechseljahren.

Für die Stiftung Männergesundheit in Berlin habe ich für den Dritten Deutschen Männergesundheitsbericht einen Beitrag über männliche Sexualität und Sextoys erarbeitet. 

​Ich bin Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft. Hier befriedige ich meinen theoretischen Wissensdurst.

​Meine Herzensthemen

​Zwei große Fragen beschäftigen mich seit jeher.

  1. Wie wirken sich gesellschaftliche Veränderungen auf unser ganz persönliches Erleben von Sexualität aus? Dieses Thema hat gerade heute mit der Internet- und und Pornographie-Debatte eine hohe Brisanz. Der Umgang mit Sexualität wird immer offener. Aber was bedeutet das für den Einzelnen? ​Was geschieht mit uns, wenn immer mehr Menschen allein leben? Eines weiß man schon heute: Der Single, der wild durch die Betten hüpft, ist die Ausnahme. Und wie wirkt sich der heutige Leistungs- und Perfektionsanspruch auf die Lust aus? 
  2. Das andere große Thema ist Sexualität in der zweiten Lebenshälfte. ​Wie in allen Bereichen gibt es auch in der Sexualität ​individuelle Lebensabschnitte wie die Pubertät oder die Familiengründungsphase. Oder der Beginn der Wechseljahre bei Frauen. Die Fruchtbarkeit neigt sich dem Ende zu und selbst bei erfülltem Kinderwunsch ​empfinden viele Frauen dies als Verlust ihrer Weiblichkeit. Hinzu kommt häufig eine körperliche, emotionale und seelische Berg- und Talfahrt. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel langsam aber stetig und sorgt so für eher schleichende Veränderungen. Gemeinsam können wir schauen, welches Potential diese Veränderungen bergen und w​ie sie sich positiv nutzen lassen. Denn diese Lebensphase birgt für beide Geschlechter die Chance auf lustvolle Veränderungen, weg vom Leistungsdruck hin zu mehr Sinnlichkeit und vor allem auch Selbstbestimmung. ​

Meine Arbeits​​​​weise in der Beratung

​Sexualität ist nicht nur Kopfsache. Naturgemäß spielt auch unser Körper eine große Rolle bei der Wahrnehmung und dem Erleben von Lust und Leidenschaft. Das liegt zwar auf der Hand, ist vielen Menschen gar nicht so bewusst. Manchmal haben wir uns in unserer modernen Welt mit all dem Stress und Druck, dem wir ausgesetzt sind, so weit von uns selber entfernt, dass wir gar nicht wirklich wahrnehmen, was wir fühlen. Wir funktionieren einfach und erwarten dies auch ganz selbstverständlich von unserem Körper und unserer Sexualorganen.

  • Die Methoden aus dem Sexocorporel bieten hier wunderbare Möglichkeiten, unseren Körper und unsere Lust neu zu entdecken. Um diesen Ansatz kennenzulernen, habe ich an einer umfangreichen und spannenden Fortbildung in Sexologie und Sexualberatung nach der körperorientierten Sexualtherapie „Sexocorporel“ bei der wunderbaren Susanna-Sitari Rescio teilgenommen.
  • Körperliche Veränderungen haben einen direkten Einfluss auf unsere Psyche. Umgekehrt ​wirken sich Stimmungen, Absichten und emotionale Zustände auf körperliche Prozesse aus. ​Die Grundlagen dafür finden sich im Embodiment. Psychischer Stress kann unser körperliches sexuelles Erleben beeinflussen. Anderseits kann eine veränderte Körperhaltung zu mehr Wohlbefinden führen. Wir können uns diese Wechselwirkungen bewusst machen und sie gezielt verändern.
  • Als Heilpraktikerin für Psychotherapie begebe ich mich auf eine spannende Reise in die menschliche Psyche und ihre Verhaltensweisen. Somit kann ich auch auf ein fundiertes psychologisches Grundwissen zurückgreifen.
  • Therapeutisch arbeite ich auf der Grundlage der Gesprächspsychotherapie nach Rogers. Diese Methode begeistert mich so sehr, weil die Lösung für die Anliegen in den Klienten selber liegt. Dadurch wird erreicht, dass der Klient oder die Klientin nicht nur zu sich selber findet, sondern auch wirklich hinter dem Ergebnis steht.
  • Zur Zeit befinde ich mich in einer Ausbildung zum systemischen Coach. Auch hier geht es darum, die Klienten dazu zu befähigen, eigene Lösung zu finden. Diesen Ansatz finde ich so spannend, weil wir uns auch immer in einem System mit je eigenen Kommunikations-, Handlungs- und Beziehungsmustern befinden. Wir können nicht unseren Partner oder unsere Partnerin verändern. Aber unser eigenes Verhalten und Denken.

Der schönste Moment ist immer der, wenn der Knoten platzt. Manchmal kommt das tatsächlich ganz plötzlich. "Wow! So habe ich das ja noch gar nicht betrachtet!"

Und manchmal lösen wir langsam Stück für Stück die Blockaden und rütteln an der bisherigen Verankerung.


Inspiration durch Worte

Ab und zu höre ich den Satz „Das brauche ich nicht. Ich habe keine Probleme mit meiner Sexualität.“ Und das ist toll! ​Und genau deshalb schreibe und rede ich weiter, denn ich möchte Menschen inspirieren! Und zwar alle, ob mit oder ohne Problem. Und ich versuche, mit der Art, wie ich mich ausdrücke, alle zu erreichen. Informationen sind sehr wichtig – vor allem, wenn sie humorvoll verpackt sind – und mir macht das Schreiben darüber viel Spaß. Deshalb greife ich alles auf, das mir wichtig oder interessant erscheint und versuche damit, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Meine Texte erscheinen zumeist auf anderen Portalen.

Die Texte sollen aber auch eine konkrete Hilfestellung bei Unsicherheiten und Problemen bieten. Da ich aus Erfahrung weiß, dass über etwas zu lesen nicht immer bedeutet, es auch umsetzen zu können, biete ich die persönliche Sexualberatung und auch eine tiefergehende Sexualtherapie an.

Ich schreibe aber nicht nur gern. Viel lieber rede ich. 

Deshalb gibt es meine Themen jetzt auch in mittlerweile zwei Podcasts!

  • Unter www.allesworansiedenken.de spreche ich mit meinem Sidekick Olaf Kock über alles, was Spaß macht, Fragen aufwirft und uns damit eigentlich andauernd beschäftigt.
  • Neu ist der Podcast Alles über Sexualität, in dem ich allein als auch mit anderen ExpertInnen und Gästen über eben alles über Sexualität rede.
  • ​Und wer bin ich persönlich? Eine Frau, die auf ihre Wechseljahre wartet. Oder schon drin steckt. Eine Frau mit einem großen Gepäck an Lebenserfahrung. Eine Frau mit Höhen und Tiefen in ihrem Leben. Eine Frau, die sich durchgebissen hat und die sich im Leben alles selber erarbeiten musste. Eine Frau, die sich immer wieder neu entdeckt. Eine Frau mit Lust, Lebensfreude und ständigem Hunger. 

    Aufgewachsen bin ich in Kiel an der Ostsee zwischen Seehunden und Forschungsschiffen. Daher stammt wohl meine Affinität zum Wasser, zu Schiffen und Ankern.